Unabhängig sein und sparen – die Energiewende auf Gemeindeebene

Jenseits der großen Debatten und Projekte vollzieht sich in Deutschland die Energiewende im ländlichen Raum fast geräuschlos aber sehr effizient. Getragen wird sie von den Bürgern vor Ort, die sich unabhängig machen von den großen Versorgern.

Beispiel Feldheim in Brandenburg: Strom und Wärme für alle Haushalte und Gewerbebetriebe des Ortes werden aus eigenen Sonnen- Wind- und Bioenergieanlagen gewonnen und sogar über eigene Netze geliefert. Theoretisch könnte Feldheim sich ganz vom großen Netz abkoppeln. Dann aber könnte der überschüssige Strom nicht mehr gewinnbringend ins öffentliche Netz eingespeist werden. Der Strompreis liegt derzeit 20% unter dem regionalen E.ON-Preis, und mit steigenden Kosten für fossile Energieträger wird der Abstand sicher noch größer werden. Und das Geld bleibt in der Region, denn Kraftwerke und Netze werden von GmbHs betrieben, die von den Bürgern eigens zu diesem Zweck gegründet wurden.

Feldheim führt zwar den Titel „Erste energieautarke Gemeinde Deutschlands“, steht mit dem Konzept der Selbstversorgung aber keineswegs alleine da: Nach einer Erhebung vom Sommer vergangenen Jahres gibt es in Deutschland mittlerweile 132 Regionen mit insgesamt 20 Millionen Einwohnern, die erneuerbare Energie mindestens in der Größenordnung des Eigenverbrauchs produzieren. Fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung ist damit unabhängig von externen Energielieferanten.

Auch für das Grundproblem der Produktions- und Lastschwankungen gibt es, Experten vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik zufolge, praktikable Lösungen. Der Kerngedanke: Das virtuelle Kraftwerk. Dabei werden Wind-, Solar- und Biogasanlagen zentral verwaltet und wie ein einziges Kraftwerk gesteuert. Steht zum Beispiel Windenergie im Übermaß zur Verfügung, können die Motoren der Biogasanlage abgeschaltet und das Gas für späteren Betrieb gespeichert werden. 

Zu guter Letzt entschärft dezentrale Energieerzeugung auch das Problem des Leitungsausbaus. Mit intelligenter Regeltechnik und Puffer(bio)kraftwerken können die vorhandenen Leitungen optimal genutzt werden. Der perspektivisch notwendige Bau neuer und stärkerer Leitungen kann langsamer vonstatten gehen, ohne dass es zum befürchteten Blackout kommt.

Bürgerschaftliches Engagement – dieses vorläufige Fazit kann man ziehen – bringt nicht nur die Energiewende auf soliden Beinen voran, sondern hat auch handfeste ökonomische Vorteile für die Beteiligten.

Mehr zum Thema dezentrale Energieversorgung / energieautarke Regionen finden Sie u. a. auf folgenden Websites:

http://www.neue-energien-forum-feldheim.de/index.php?option=com_content&view=article&id=49

http://www.deenet.org/

http://www.energiepark-druiberg.de/index.php

http://www.e-energy.de/

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